Ich baue mir mein Haus, alle Räume sind schon da.
oder Der Ver­such bis auf den eige­nen Rück­zugs­ort eine mög­lichst gemein­schaft­li­che Wohn­form zu tes­ten.

Schaut man sich einen klas­si­schen Woh­nungs­bau oder ein klas­si­sches Haus an, so kommt einem irgend­wann der Gedanke, ob es nicht sinn­voll wäre, weg vom Indi­vi­du­el­len zu den­ken und hin zur Gemein­schaft. Viel­leicht stärkt dies die Gesell­schaft, viel­leicht ver­rin­gert man damit sei­nen öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck. Vie­len archi­tek­to­ni­schen Ent­wür­fen – nicht wenige dabei aus dem stu­den­ti­schen Milieu – wird diese Idee zugrunde gelegt. Jede gebaute Wohn­form ord­net sich irgend­wann ein zwi­schen tota­ler Pri­vat­sphäre mit purer Indi­vi­dua­li­tät und kom­plet­ter Gemein­schaft bis zur Auf­gabe des Pri­va­ten. Spon­tan fal­len mir Pro­jekte ein wie das White U von Toyo Ito, Super­stan­dard von Heide & von Beckerath, der Naga­kin Cap­sule Tower von Kisho Kuro­kawa, das eng­li­sche Back-to-back Haus, das Haus NA von Sou Fuji­moto, das House for Seven People von mnm und letzt­lich der Wett­be­werbs­bei­trag Net­work by walk von Sou Fuji­moto. Auf der ande­ren Seite fal­len mir wei­tere Bei­spiele ein: Digi­tale Noma­den, wel­che nur mit ihrem Lap­top und ihren sie­ben Sachen unter­wegs sind, die aus dem asia­ti­schen Raum bekann­ten Kap­sel­ho­tels, wel­che teil­weise kom­plett auto­ma­ti­siert sind und gar keine Ange­stell­ten mehr besit­zen, japa­ni­sche Inter­net­café-Noma­den, wel­che keine eigene Woh­nung mehr besit­zen, son­dern aus Kos­ten­grün­den eine Box im Inter­net­café dau­er­ge­mie­tet haben und an die in Hong­kong leben­den Cage-People, wel­che nur noch ein Bett in einem Käfig mie­ten, der ihr Hab und Gut schützt.

Ich sel­ber hätte im archi­tek­to­ni­schen Ent­wurf eben­falls den Hang dazu, eine große Gemein­schaft zu ent­wer­fen. Doch wel­ches Ver­ständ­nis von Gesell­schaft und Gemein­schaft steht eigent­lich hin­ter sol­chen Ent­wür­fen? Und ist der Trend zu immer mehr Gemein­schaft sinn­voll? Wie fühlt es sich an, keine klas­si­sche Woh­nung mehr zu haben? Wie ver­än­dert dies mein Leben, wel­che Aus­wir­kun­gen hat es? Wel­che Wer­tig­keit von Zeit ergibt sich dar­aus für mich? Füh­ren sol­che Ent­würfe zwangs­läu­fig zu mehr Gemein­schaft oder sind sie am Ende nur eine unper­sön­li­che Über­schnei­dung indi­vi­dua­lis­ti­scher Wohn­for­men? Dies sind alles Fra­gen, wel­che ich mir stelle – viel­leicht auch zu viele…
Doch wie möchte ich das alles anstel­len?

Bei „Net­work by walk“ geht Sou Fuji­moto so weit, dass er das eigene Haus oder die eigene Woh­nung nicht mehr aus einer mög­lichst klei­nen Woh­nung und gemein­schaft­li­chen Räu­men bestehen lässt, son­dern nur noch aus Zel­len, wel­che man sich nach Belie­ben zusam­men­su­chen kann. Diese Zel­len sind über die Stadt ver­teilt und sie kön­nen belie­bige For­men und Funk­tio­nen anneh­men.

Genau das möchte ich tes­ten, um für mich her­aus­zu­fin­den und ande­ren Men­schen einen Erfah­rungs­be­richt zu lie­fern, wie sich so ein Ent­wurf auf das per­sön­li­che Leben aus­wirkt und ob er aus öko­lo­gi­scher Sicht sinn­voll erscheint oder nicht. Dabei bin ich mir bewusst, das die­ser Bericht ein sehr sub­jek­ti­ver ist, da er von einem 21-jäh­ri­gen, in der west­li­chen Welt leben­den, sich nicht um Geld sor­gen zu brau­chen­den, begeis­ter­ten Archi­tek­tur­stu­den­ten geschrie­ben wird. Und das auch noch in der Wei­ma­rer Blase. Den­noch möchte ich ver­su­chen, die Trag­weite eines sol­chen Ent­wurfs zu ergrün­den und zu dis­ku­tie­ren.

Die B1 mit ihrem Leit­satz „Archi­tek­to­ni­sche Resi­li­enz: Ent­wick­lung von fle­xi­blen Raum­kon­zep­ten für zukünf­ti­ges Woh­nen, Arbei­ten, Leben“ möchte ich als Basis nut­zen. Die Ere­mi­tage soll mir dabei als Schlaf­zelle und Rück­zugs­ort die­nen. Alle ande­ren Räume suche ich mir an ande­ren Orten in Wei­mar zusam­men.